Was kostet ein Schreiner? Stundensätze und Preisbeispiele 2026
13. September 2026 · Redaktion

Ein Schreinerbetrieb berechnet 2026 im Mittel zwischen 55 und 75 Euro netto pro Arbeitsstunde, je nach Region und ob Geselle oder Meister vor Ort ist. Hinzu kommen Anfahrt, Material und die Zeit für Aufmaß und Werkstattarbeit. Ein einfacher Einbauschrank nach Maß beginnt dadurch bei rund 450 Euro und liegt mit Dachschräge oder Sondermaßen schnell über 1.800 Euro, eine eingebaute Innentür bei 400 bis 700 Euro.
Wer ein Angebot vom Schreiner auf dem Tisch hat, steht meist vor demselben Problem: Der Stundensatz steht da, die Stundenzahl steht da, und trotzdem lässt sich nicht beurteilen, ob der Preis in Ordnung ist. Dieser Beitrag rechnet deshalb nicht mit Pauschalen, sondern mit den Zahlen, die Handwerksbetriebe selbst angeben – und zeigt, wo die Kosten entstehen, die im Stundensatz gar nicht auftauchen.
Was Betriebe wirklich abrechnen
Die belastbarste öffentliche Quelle zu Stundenverrechnungssätzen im deutschen Handwerk ist der Preisatlas Handwerk, für den der Softwareanbieter OneQrew jährlich mehrere hundert Betriebe nach ihren tatsächlich berechneten Sätzen befragt. In der fünften Ausgabe, für die 575 Betriebe ausgewertet wurden, liegen die Mittelwerte bei rund 73 Euro für die Meisterstunde und 64 Euro für die Gesellenstunde – jeweils netto, also ohne Umsatzsteuer. Damit hat die Gesellenstunde erstmals die 60-Euro-Marke überschritten. Gegenüber der Vorerhebung stiegen die Gesellensätze um etwa drei Prozent, die Meistersätze nur um 0,7 Prozent.
Diese Zahlen gelten für das Handwerk insgesamt. Das Tischler- und Schreinerhandwerk lag in der gewerkeweisen Auswertung zuletzt leicht unter dem Mittelwert: Bei der Erhebung mit 534 Betrieben kamen Tischler und Schreiner auf 63 Euro und damit hinter Dachdecker (68 Euro), das SHK-Handwerk (65 Euro) und die Elektrotechnik (64 Euro), aber vor Maler und Stuckateure (62 Euro).
| Gewerk | Stundensatz netto (Mittel) |
|---|---|
| Dachdecker und Zimmerer | 68 € |
| Sanitär, Heizung, Klima | 65 € |
| Elektrotechnik | 64 € |
| Tischler und Schreiner | 63 € |
| Maler und Stuckateure | 62 € |
Der Wohnort verschiebt den Preis stärker als das Gewerk
Wer in Berlin einen Betrieb beauftragt, zahlt für dieselbe Leistung spürbar mehr als in Mecklenburg-Vorpommern. Die Spanne zwischen dem teuersten und dem günstigsten Bundesland ist größer als der Abstand zwischen Dachdecker und Maler:
| Region | Meisterstunde netto |
|---|---|
| Berlin | 82,50 € |
| Hamburg | 76,45 € |
| Bundesdurchschnitt | ca. 73 € |
| Mecklenburg-Vorpommern | 58,80 € |
Rund 24 Euro Unterschied pro Stunde bedeuten bei einem Auftrag über 20 Stunden fast 500 Euro allein durch die Postleitzahl. Ein Angebot lässt sich deshalb nie gegen einen bundesweiten Mittelwert prüfen, sondern nur gegen zwei, drei Angebote aus derselben Gegend.
Warum der Stundensatz allein nichts aussagt
Der häufigste Irrtum beim Angebotsvergleich: Zwei Betriebe mit 60 und 70 Euro Stundensatz werden verglichen, als sei der günstigere automatisch der billigere. Tatsächlich entscheidet die angesetzte Stundenzahl viel häufiger über den Endpreis – und die hängt an der Arbeitsweise, nicht am Preisschild.
Beim Schreiner kommen vier Posten zusammen, die in der Küche oder im Flur gar nicht sichtbar sind:
- Aufmaß und Planung. Ein Möbelstück nach Maß braucht einen Termin vor Ort, exakte Maße und meist eine Zeichnung. Ein bis drei Stunden, die vor dem ersten Schnitt anfallen.
- Werkstattzeit. Der größte Teil der Arbeit passiert nicht bei Ihnen, sondern an der Maschine. Sie wird genauso berechnet wie die Montage – und macht bei Möbelbau oft zwei Drittel der Stunden aus.
- Anfahrt. Üblich sind entweder eine Pauschale von 30 bis 80 Euro oder ein Kilometersatz. Beides ist zulässig, muss aber vorher vereinbart sein.
- Materialaufschlag. Betriebe schlagen auf Holz, Beschläge und Lacke typischerweise 10 bis 30 Prozent auf. Das ist keine Abzocke, sondern deckt Einkauf, Lagerung, Transport und die Haftung für das Material.
Wer also 20 Stunden à 60 Euro kalkuliert bekommt und 14 Stunden à 70 Euro daneben legt, sollte nicht auf den Stundensatz schauen: 1.200 gegen 980 Euro.
Drei Aufträge, einmal durchgerechnet
Die folgenden Beispiele sind keine Festpreise, sondern eine Rechnung aus den oben genannten Sätzen plus marktüblichen Materialkosten. Sie zeigen die Größenordnung – und vor allem, wie sich der Preis zusammensetzt.
Innentür mit Zarge einbauen
Alte Tür ausbauen, neue Zarge setzen, ausrichten, Tür einhängen, Beschläge montieren: realistisch drei bis vier Arbeitsstunden. Bei 65 Euro sind das 195 bis 260 Euro Arbeitslohn, dazu eine einfache Innentür mit Zarge ab etwa 150 Euro und die Anfahrt. Ergebnis: 400 bis 700 Euro brutto, je nach Türqualität. Bei mehreren Türen in einem Termin sinkt der Preis je Tür deutlich, weil Anfahrt und Rüstzeit nur einmal anfallen.
Einbauschrank nach Maß
Der Bundesverband Tischler Schreiner Deutschland nennt für maßgefertigte Schränke Richtwerte, die die Bandbreite gut abbilden: ein einfacher Einbauschrank ab rund 450 Euro, ein Kleiderschrank mit Spiegeltüren ab etwa 1.000 Euro, ein Schrank unter der Dachschräge ab 1.400 Euro, ein Eckschrank mit Schrägen ab 1.800 Euro und ein begehbarer Kleiderschrank ab 5.000 Euro.
Der Sprung von 450 auf 1.800 Euro erklärt sich fast vollständig über die Einbausituation. Ein rechteckiger Schrank an einer geraden Wand ist Serienarbeit mit Sondermaß. Sobald Schrägen, Rundungen, Rohre oder ein schiefer Altbaugrundriss dazukommen, steigt nicht der Stundensatz, sondern die Stundenzahl – und zwar schnell um das Zwei- bis Dreifache.
Kleine Reparatur, etwa ein klemmendes Fenster
Hier liegt die unangenehmste Überraschung. Die Arbeit dauert vielleicht 40 Minuten, berechnet wird aber meist eine volle Stunde plus Anfahrt – rund 110 bis 160 Euro brutto für einen Handgriff. Das ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar, fühlt sich aber teuer an. Wer mehrere Kleinigkeiten sammelt und in einem Termin erledigen lässt, zahlt pro Aufgabe einen Bruchteil.
Bis zu 1.200 Euro holt das Finanzamt zurück
Für Handwerkerleistungen im selbst genutzten Haushalt gibt es nach § 35a Einkommensteuergesetz eine Steuerermäßigung: 20 Prozent der Lohn-, Fahrt- und Maschinenkosten, höchstens 1.200 Euro im Jahr. Sie wird direkt von der Steuerschuld abgezogen, nicht vom Einkommen – das macht sie deutlich wertvoller als einen normalen Werbungskostenabzug.
Drei Bedingungen entscheiden darüber, ob es klappt:
- Materialkosten zählen nicht. Deshalb muss die Rechnung Lohn und Material getrennt ausweisen. Fehlt die Aufteilung, bitten Sie um eine korrigierte Rechnung – das ist üblich und kein Affront.
- Barzahlung ist tödlich. Der Betrag muss überwiesen werden. Eine Quittung über Barzahlung erkennt das Finanzamt nicht an, auch wenn alles andere stimmt.
- Nur der eigene Haushalt zählt, also die selbst bewohnte Wohnung oder das Haus samt Grundstück. Für Neubauten vor dem Einzug gilt die Ermäßigung nicht.
Das ersetzt keine Steuerberatung, aber es lohnt sich, vor dem Auftrag daran zu denken statt hinterher.
Woran ein belastbares Angebot zu erkennen ist
- Stundensatz und geschätzte Stundenzahl stehen getrennt da, nicht als eine Summe.
- Material ist einzeln aufgeführt, mindestens nach Posten.
- Die Anfahrt ist beziffert, nicht als „wird berechnet“ erwähnt.
- Es steht dabei, ob es sich um einen Kostenvoranschlag (unverbindlich, Überschreitung bis etwa 15 bis 20 Prozent gilt als hinnehmbar) oder ein Festpreisangebot handelt. Das ist der wichtigste Unterschied im ganzen Dokument.
- Umsatzsteuer ist ausgewiesen. Fehlt sie ganz, arbeitet der Betrieb als Kleinunternehmer – zulässig, aber dann gibt es auch keinen Vorsteuerabzug und oft eine kleinere Betriebsstruktur.
- Ein Termin oder zumindest ein Zeitfenster ist genannt.
Ein Angebot, das deutlich unter den anderen liegt, ist nicht automatisch ein Fehler – aber es verdient eine Rückfrage statt einer Unterschrift. Meist steckt eine andere Materialqualität oder eine knapper geschätzte Stundenzahl dahinter, und beides holt Sie später ein.
Wo die Schreiner sitzen
Ein Blick in unser eigenes Verzeichnis: Aktuell sind 2.422 Betriebe aus dem Bereich Schreiner und Tischler in 927 Städten und Gemeinden erfasst. Auffällig ist dabei weniger die Gesamtzahl als die Verteilung. Berlin führt die Liste mit 33 Einträgen an, dahinter folgen Hamburg mit 22 und Dresden mit 21 – aber schon auf Platz sieben steht Göttingen mit 16 Einträgen, gleichauf mit München, und im oberbayerischen Miesbach mit seinen gut 11.000 Einwohnern stehen 15 Betriebe.
Diese Reihenfolge sagt allerdings mehr über die Datenlage als über die Wirtschaft. Wir haben das inzwischen gegengeprüft: Bei Gewerken mit vergleichsweise wenigen Einträgen hängt die Platzierung vor allem daran, wie gründlich jemand vor Ort OpenStreetMap gepflegt hat – dieselben Kleinstädte stehen auch bei fachlich völlig unabhängigen Branchen weit oben. Belastbar ist deshalb die Gesamtzahl, nicht die Rangfolge. Was sich daraus ablesen lässt: Auch abseits der großen Städte finden sich fast überall Betriebe, und wer auf dem Land sucht, hat meist mehr Auswahl, als die Kilometerzahl vermuten lässt.
Einschränkung in eigener Sache: Diese Zahlen geben den Stand unseres Verzeichnisses wieder, nicht die amtliche Betriebsstatistik. Die Datengrundlage stammt aus OpenStreetMap und ist regional unterschiedlich vollständig.
Häufige Fragen
Was kostet ein Schreiner pro Stunde?
Netto etwa 55 bis 75 Euro, im Bundesschnitt rund 64 Euro für die Gesellen- und 73 Euro für die Meisterstunde. In Berlin und Hamburg liegen die Sätze deutlich darüber, in den ostdeutschen Flächenländern darunter. Mit Umsatzsteuer sind es entsprechend rund 65 bis 89 Euro.
Ist ein Kostenvoranschlag verbindlich?
Nein. Ein Kostenvoranschlag ist eine fachliche Schätzung. Wird er wesentlich überschritten, muss der Betrieb Sie rechtzeitig informieren; als Faustregel gilt eine Überschreitung von etwa 15 bis 20 Prozent noch als hinnehmbar. Verbindlich wird der Preis erst durch ein ausdrückliches Festpreisangebot.
Darf der Schreiner die Anfahrt extra berechnen?
Ja, sofern es vorher vereinbart oder ortsüblich ist. Üblich sind eine Pauschale von 30 bis 80 Euro oder ein Kilometersatz. Nicht zulässig ist es, die Anfahrt erst auf der Schlussrechnung auftauchen zu lassen, ohne dass vorher davon die Rede war.
Warum ist ein Möbelstück vom Schreiner so viel teurer als aus dem Möbelhaus?
Weil Sie Arbeitszeit kaufen statt Serienfertigung. Ein Industrieschrank entsteht in Minuten auf einer Anlage, ein Maßschrank in 15 bis 30 Arbeitsstunden. Dafür passt er exakt in die vorhandene Nische, nutzt den Raum vollständig aus und lässt sich reparieren statt ersetzen.
Wie viele Angebote sollte ich einholen?
Drei sind der sinnvolle Kompromiss. Zwei zeigen keine Bandbreite, ab vier steigt vor allem Ihr eigener Aufwand. Wichtig ist, allen dieselbe Beschreibung zu geben – sonst vergleichen Sie am Ende drei verschiedene Aufträge.
Quellen
- OneQrew, Preisatlas Handwerk, fünfte Ausgabe (575 ausgewertete Betriebe) sowie die Vorerhebung mit 534 Betrieben mit der Auswertung nach Gewerken
- Tischler Schreiner Deutschland, Magazinbeitrag zu Einbauschrank-Kosten
- § 35a Einkommensteuergesetz im Volltext
- Eigene Auswertung des Verzeichnisses, Stand September 2026: Schreiner und Tischler in Deutschland
Betriebe zu diesem Thema
Im Verzeichnis stehen 2.422 Einträge im Bereich Schreiner und Tischler mit Adresse und Kontakt, soweit hinterlegt.
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