Was kostet ein Dachdecker? Preise und Pflichten 2026
13. September 2026 · Redaktion

Ein Dach neu decken kostet 2026 rund 65 bis 130 Euro pro Quadratmeter Dachfläche für Material und Arbeit. Für ein Einfamilienhaus mit etwa 150 Quadratmetern Dachfläche liegt das Gesamtbudget bei 17.000 bis 31.500 Euro – Gerüst, Entsorgung und Dämmung eingerechnet. Der Stundensatz von 68 Euro ist der höchste im Handwerk.
Warum die Eindeckung nur die halbe Rechnung ist
Bei kaum einem Gewerk klaffen der Quadratmeterpreis aus der Werbung und die Endsumme so weit auseinander wie beim Dach. Der Grund ist simpel: Bevor der erste neue Ziegel liegt, muss ein Gerüst stehen, die alte Eindeckung herunter und entsorgt werden – und was darunter zum Vorschein kommt, hat vorher niemand gesehen.
| Eindeckung je m² | Preis inkl. Material und Montage |
|---|---|
| Betondachstein | 60 – 110 € |
| Tonziegel | 65 – 120 € |
| Bitumen- oder Kunststoffbahnen (Flachdach) | 50 – 100 € |
| Metall | 120 – 220 € |
| Schiefer | 120 – 250 € |
| Was zusätzlich anfällt | Preis |
|---|---|
| Gerüst | 10 – 20 € je m² |
| Alte Eindeckung entsorgen | 20 – 35 € je m² |
| Dachdämmung | 50 – 80 € je m² |
| Reparaturen am Dachstuhl | ab 50 € je m² |
| Dachrinne und Fallrohre neu | 20 – 40 € je laufendem Meter |
Rechnet man das für 150 Quadratmeter Dachfläche zusammen, kommt bei Tonziegeln mit Gerüst, Entsorgung und Dämmung eine Summe von grob 25.000 bis 40.000 Euro heraus. Die häufig genannten „ab 85 Euro pro Quadratmeter“ beziehen sich fast immer auf die reine Neueindeckung ohne alles andere.
Ein Hinweis zur Fläche: Die Dachfläche ist nicht die Grundfläche. Bei einem üblichen Satteldach mit 40 Grad Neigung liegt sie etwa 30 Prozent darüber. Wer mit der Wohnfläche rechnet, rechnet sich das Dach zu klein.
Die Dämmung ist oft keine freie Entscheidung
Wer ohnehin am Dach arbeitet, kommt an der energetischen Frage selten vorbei – und zwar nicht nur aus Vernunft, sondern weil das Gesetz Anforderungen stellt, sobald ein Bauteil ohnehin angefasst wird.
Seit dem 10. Juli 2026 gilt dafür das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das Gebäudeenergiegesetz abgelöst hat. Die Nachrüstpflicht für die oberste Geschossdecke bleibt darin bestehen: Decken beheizter Räume zum unbeheizten Dachraum müssen einen Wärmedurchgangskoeffizienten von höchstens 0,24 W/(m²·K) erreichen. Die Pflicht entfällt, wenn stattdessen das darüberliegende Dach entsprechend gedämmt ist.
Für selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es Ausnahmen – unter anderem für Eigentümer, die ihr Haus schon am 1. Februar 2002 selbst bewohnt haben; bei einem Eigentümerwechsel greift die Pflicht dann innerhalb von zwei Jahren. Außerdem entfällt sie, wenn sich die Maßnahme wirtschaftlich nicht in angemessener Frist rechnet.
Das Gesetz ist erst wenige Monate in Kraft, und einzelne Anforderungen laufen gestaffelt an. Lassen Sie sich deshalb vom ausführenden Betrieb oder von einer Energieberatung bestätigen, was für Ihr Gebäude konkret gilt, bevor Sie ein Angebot unterschreiben. Das ist keine Rechtsberatung, sondern der Stand, wie er sich im September 2026 darstellt.
Der teuerste Stundensatz im Handwerk
Im Preisatlas Handwerk, für den mehrere hundert Betriebe nach ihren tatsächlich berechneten Sätzen befragt werden, führen Dachdecker und Zimmerer die Rangliste mit 68 Euro netto im Mittel aus Meister- und Gesellenstunde an – vor Sanitär und Heizung (65 €), Elektrotechnik (64 €), Tischlern (63 €) und Malern (62 €).
Das ist kein Zufall: Arbeit in der Höhe verlangt Absturzsicherung, die Witterung diktiert den Zeitplan, und das Material muss aufs Dach. Dazu kommt eine Besonderheit, die viele unterschätzen – bei Regen ruht die Baustelle, und ein offenes Dach kann nicht beliebig lange offen bleiben. Betriebe kalkulieren dieses Risiko mit ein.
Woran ein belastbares Angebot zu erkennen ist
- Die Dachfläche ist beziffert, nicht die Wohnfläche – und es steht dabei, wie sie ermittelt wurde.
- Gerüst und Entsorgung sind eigene Positionen. Zusammen sind das 30 bis 55 Euro je Quadratmeter, also gut ein Drittel der Summe. Wer sie nicht findet, hat kein vollständiges Angebot.
- Es steht dabei, was passiert, wenn der Dachstuhl Schäden hat. Das sieht man erst, wenn die alte Eindeckung herunter ist – ein Angebot mit einem klaren Vorbehalt und einem Stundensatz für den Fall der Fälle ist ehrlicher als eine glatte Endsumme.
- Die Dämmung ist ausdrücklich enthalten oder ausdrücklich nicht.
- Ein Zeitfenster ist genannt, samt Regelung für Schlechtwetter und für die Notabdeckung.
- Die Entwässerung ist geklärt – Rinnen und Fallrohre werden bei einer Neueindeckung fast immer mitgemacht, tauchen aber nicht in jedem Angebot auf.
Steuerbonus und Förderung schließen sich aus
Wie bei allen Handwerkerleistungen im selbst genutzten Haushalt lassen sich 20 Prozent der Lohn-, Fahrt- und Maschinenkosten von der Steuerschuld abziehen, höchstens 1.200 Euro im Jahr – die Regeln stehen ausführlich im Beitrag Was kostet ein Schreiner?.
Bei einer Dachsanierung mit Dämmung kommt aber noch etwas anderes in Betracht: Für energetische Maßnahmen am selbst genutzten Wohngebäude gibt es eigene, deutlich größere Förderwege – als Zuschuss oder als Steuerermäßigung über mehrere Jahre. Beides zusammen geht nicht. Für dieselbe Maßnahme lässt sich entweder der Handwerkerbonus oder die energetische Förderung nutzen, nie beides.
Weil die Beträge dort um ein Vielfaches höher liegen und die Bedingungen sich regelmäßig ändern, gehört diese Frage vor die Auftragsvergabe und in die Hände einer Energieberatung – nicht in die Steuererklärung im Jahr darauf. Wer zuerst beauftragt und dann fragt, hat den Förderweg meist schon verbaut: Viele Zuschüsse müssen vor Beginn der Arbeiten beantragt werden.
Wo die Dachdecker sitzen
In unserem Verzeichnis stehen derzeit 1.239 Dachdeckerbetriebe in 634 Städten und Gemeinden. Damit ist es das dünnste der bisher ausgewerteten Gewerke – zum Vergleich: Elektriker 2.506, Schreiner 2.422, Maler 1.940.
Für die Praxis heißt das zweierlei. Erstens: Drei Angebote einzuholen dauert hier länger, und in kleineren Orten müssen Sie den Radius weiter ziehen. Zweitens: Planen Sie Vorlauf ein. Dachdecker sind in der Saison zwischen Frühjahr und Herbst regelmäßig für Monate ausgebucht – wer im August anfragt, deckt selten noch im selben Jahr.
Einschränkung in eigener Sache: Diese Zahlen geben den Stand unseres Verzeichnisses wieder, nicht die amtliche Betriebsstatistik. Die Datengrundlage stammt aus OpenStreetMap und ist regional unterschiedlich vollständig.
Häufige Fragen
Wie groß ist meine Dachfläche?
Bei einem Satteldach mit rund 40 Grad Neigung etwa 30 Prozent mehr als die überbaute Grundfläche. Gauben, Kehlen und Anbauten kommen dazu. Für eine erste Einordnung reicht dieser Zuschlag; fürs Angebot misst der Betrieb selbst auf, und genau das sollte er auch tun.
Wie lange hält ein Dach?
Tonziegel und Betondachsteine halten 40 bis 60 Jahre, Schiefer und Metall deutlich länger, Bitumenbahnen auf Flachdächern 20 bis 30 Jahre. Entscheidend ist oft nicht die Eindeckung selbst, sondern die Unterspannbahn darunter – die altert schneller und ist der häufigste Grund, warum ein optisch intaktes Dach neu gemacht werden muss.
Kann ich nur einen Teil des Dachs neu decken?
Technisch ja, wirtschaftlich selten sinnvoll. Gerüst und Anfahrt fallen unabhängig von der Fläche an, und alte und neue Ziegel derselben Sorte passen nach Jahrzehnten farblich oft nicht mehr zusammen. Bei einer einzelnen beschädigten Stelle ist die Reparatur natürlich die richtige Wahl.
Muss ich beim Neudecken dämmen?
In vielen Fällen ja. Das Gebäudemodernisierungsgesetz stellt Anforderungen an die Wärmedämmung, sobald ohnehin gearbeitet wird; für die oberste Geschossdecke gilt ein Höchstwert von 0,24 W/(m²·K), der auch durch eine entsprechende Dachdämmung erfüllt werden kann. Für selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es Ausnahmen. Was konkret gilt, sollte vor der Beauftragung geklärt sein.
Wann ist die beste Zeit für eine Dachsanierung?
Spätfrühjahr bis Frühherbst, wegen der Witterung. Angefragt werden sollte aber im Winter: Dann haben die Betriebe Zeit für Ortstermine und Angebote, und die Auftragsbücher für die Saison sind noch nicht voll.
Quellen
- Informationsportal des Bundes zum Gebäudemodernisierungsgesetz, Nachrüstpflichten
- Gebäudeforum klimaneutral, Überblick zum GModG
- MyHammer Preisradar, Dach neu decken
- Preisatlas Handwerk, Stundensätze nach Gewerken
- § 35a Einkommensteuergesetz
- Eigene Auswertung des Verzeichnisses, Stand September 2026: Dachdecker in Deutschland
Betriebe zu diesem Thema
Im Verzeichnis stehen 1.239 Einträge im Bereich Dachdecker mit Adresse und Kontakt, soweit hinterlegt.
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