Zum Inhalt springen

Eingetragen ist nicht gefunden: warum Kunden Ihren Betrieb nicht erreichen

13. September 2026 · Redaktion

Handwerker in Arbeitskleidung schaut in der Werkstatt auf sein Smartphone

88 Prozent der Handwerksbetriebe sagen, sie stehen in Online-Verzeichnissen. In den offenen Daten, aus denen Karten, Sprachassistenten und zunehmend auch KI-Antworten ihre Angaben ziehen, fehlen von genau diesen Betrieben zwei Drittel. Eingetragen zu sein und gefunden zu werden sind zwei verschiedene Dinge – und der Unterschied entscheidet, ob das Telefon klingelt.

Das Handwerk ist längst online

Das Klischee vom Betrieb ohne Internet stimmt nicht mehr. Der Digitalverband Bitkom hat 2025 für seine Studie zur Digitalisierung des Handwerks 504 Betriebe befragt. Das Ergebnis:

Anteil der Betriebe
mit eigener Website94 %
mit Einträgen in Verzeichnissen wie Google oder Gelbeseiten88 %
auf Social Media präsent56 %
auf Bewertungsplattformen vertreten40 %
die neue Kunden durch digitale Maßnahmen gewonnen haben31 %
Bitkom, Digitalisierung des Handwerks, Befragung von 504 Betrieben, 2025.

Die letzte Zeile ist die interessante. Fast alle sind online – aber nur nicht einmal jeder Dritte gewinnt darüber tatsächlich Kunden. Zwischen „vorhanden“ und „wirksam“ klafft eine Lücke, und sie hat weniger mit Werbebudget zu tun als mit Daten.

Was wir in unseren eigenen Daten sehen

Wir betreiben ein Branchenverzeichnis mit 552.745 Einträgen, dessen Grundlage aus offenen Geodaten stammt. Beim Auswerten des Bestands zeigt sich ein Muster, das jeden Betriebsinhaber angehen sollte (die vollständige Analyse steht im Beitrag Was 550.000 offene Einträge über Deutschlands Datenlage verraten):

  • Läden sind vollständig erfasst, Werkstätten nicht. Bäckereien, Apotheken und Friseure stehen fast lückenlos drin. Handwerksbetriebe und beratende Berufe erreichen nur ein Viertel bis ein Drittel des zu erwartenden Werts.
  • Nur 44 Prozent der Einträge haben überhaupt eine Telefonnummer. Bei 56 Prozent steht also genau die Angabe nicht da, die ein Kunde mit einem Wasserschaden im Keller braucht.
  • Öffnungszeiten fehlen bei fast der Hälfte, eine Website bei mehr als der Hälfte.

Das ist kein Problem dieses einen Verzeichnisses. Es ist der Zustand der offenen Datenbasis, aus der sich viele Dienste bedienen – und der Grund, warum ein Betrieb, der „eigentlich überall eingetragen“ ist, im entscheidenden Moment trotzdem nicht auftaucht.

Die vier Orte, an denen Ihre Daten stehen

Wer seine Sichtbarkeit prüfen will, muss wissen, woher die Angaben kommen, die ein Suchender am Ende sieht. Es sind vier Quellen, und die meisten Betriebe pflegen nur die erste:

  1. Die eigene Website. Vollständig unter Ihrer Kontrolle – und die Quelle, aus der KI-Antworten inzwischen bevorzugt zitieren. Dass Adresse, Telefon und Leistungen dort als Text stehen und nicht nur in einer Grafik, ist wichtiger geworden, nicht unwichtiger.
  2. Das Google-Unternehmensprofil. Kostenlos, in zwanzig Minuten eingerichtet, und für lokale Suchen der wichtigste einzelne Hebel.
  3. Offene Geodaten, vor allem OpenStreetMap. Speisen Karten-Apps, Navigationsgeräte, viele Websites und zunehmend auch KI-Systeme. Hier fehlen die meisten Handwerksbetriebe – und hier darf sich jeder selbst eintragen.
  4. Branchenverzeichnisse. Tragen zur Auffindbarkeit bei und liefern einen zusätzlichen Weg zu Ihnen, wenn jemand nicht nach Ihrem Namen, sondern nach „Dachdecker in Hilden“ sucht.

Der teuerste Fehler: widersprüchliche Angaben

Wenn dieselbe Firma an vier Stellen vier leicht verschiedene Angaben hat – einmal „Müller GmbH“, einmal „Müller Bedachungen“, zwei Telefonnummern, eine alte Adresse aus der Zeit vor dem Umzug – dann kann kein System entscheiden, welche stimmt. Die Folge ist nicht, dass eine falsche Nummer angezeigt wird. Die Folge ist, dass der Betrieb seltener angezeigt wird, weil das System sich seiner Sache nicht sicher ist.

Fachleute nennen das NAP-Konsistenz, nach Name, Address, Phone. Die Regel dahinter ist simpel: Überall exakt dieselbe Schreibweise. Nicht sinngemäß dieselbe – dieselbe. Inklusive Rechtsform, inklusive Abkürzungen, inklusive Schreibweise der Straße.

Zwanzig Minuten, einmal im Jahr

  • Suchen Sie Ihren eigenen Betriebsnamen bei Google, und zwar ausgeloggt oder im privaten Fenster. Was steht da? Stimmt es?
  • Suchen Sie Ihre Leistung plus Ort – „Elektriker Bad Nauheim“. Stehen Sie in den ersten Ergebnissen? Wenn nein, in der Kartenansicht?
  • Rufen Sie Ihre eigene Nummer an, so wie sie im Netz steht. Klingt banal; ist der häufigste Fund bei solchen Prüfungen.
  • Prüfen Sie die Öffnungszeiten an allen vier Stellen. Besonders Feiertage und Betriebsferien.
  • Schauen Sie auf eine Karten-App und suchen Sie sich selbst. Wer dort fehlt, fehlt auch im Navi des Kunden.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Website die Kontaktdaten als Text enthält und nicht nur als Bild im Briefkopf.

Was Sie dabei finden, lässt sich fast immer selbst beheben – kostenlos und ohne Agentur.

In eigener Sache, transparent

Sie lesen das auf einem Branchenverzeichnis, das ein Interesse daran hat, dass Sie sich eintragen. Deshalb offen gesagt, wie es hier läuft:

  • Der Eintrag ist und bleibt kostenlos. Name, Adresse, Kontakt genügen, Freischaltung nach Sichtung: Betrieb eintragen.
  • Kostenpflichtig ist nur die Hervorhebung – farbige Karte, Bilder, ein gekennzeichneter Link. Was das kostet, steht offen auf der Seite Eintrag hervorheben. Es gibt kein Abo und keine Vermittlungsprovision.
  • Ein Eintrag hier ersetzt die anderen drei Quellen nicht. Wenn Sie heute nur eine Sache tun, pflegen Sie Ihr Google-Profil – das bringt mehr als jeder Verzeichniseintrag, auch mehr als unserer.

Häufige Fragen

Ich habe eine Website. Reicht das nicht?

Für Kunden, die Ihren Namen kennen, ja. Für Kunden, die nach einer Leistung suchen, nicht. Wer „Schreiner in der Nähe“ eingibt, bekommt zuerst eine Kartenansicht und Verzeichniseinträge – Ihre Website erscheint erst, wenn jemand gezielt nach Ihnen sucht oder Ihre Seite zu dieser Leistung rankt.

Was kostet ein Google-Unternehmensprofil?

Nichts. Es ist kostenlos und bleibt es. Wer Ihnen dafür eine Rechnung schickt oder am Telefon eine „Aktivierungsgebühr“ nennt, versucht einen Betrug – das kommt regelmäßig vor und heißt im Fachjargon Branchenbuch-Abzocke.

Muss ich mich um OpenStreetMap kümmern?

Müssen nicht, lohnen schon. Der Eintrag ist kostenlos und dauert wenige Minuten, und die Daten landen von dort in zahlreichen Karten-Apps und Navigationssystemen. Für Betriebe im Gewerbegebiet, die niemand zufällig vorbeilaufend kartiert, ist es der einzige Weg, überhaupt dort aufzutauchen.

Lohnt sich Social Media für einen Handwerksbetrieb?

Wenn Zeit dafür da ist, ja – aber erst nach den Grundlagen. Interessant ist, was die Bitkom-Zahlen zeigen: Unter den Betrieben mit Social-Media-Präsenz nennen 65 Prozent lokale Gemeinschaften als wichtigsten Kanal, noch vor Facebook und weit vor Instagram. Die Nachbarschaftsgruppe schlägt die Hochglanzstrategie.

Wie oft sollte ich das prüfen?

Einmal im Jahr reicht, plus immer dann, wenn sich etwas ändert: neue Nummer, Umzug, andere Öffnungszeiten, neue Leistung. Genau bei solchen Änderungen entstehen die Widersprüche, weil erfahrungsgemäß nur zwei von vier Stellen aktualisiert werden.

Quellen

Kategorien: Für Betriebe

Weitere Beiträge