Zum Inhalt springen

Was eine Handwerker-Website leisten muss – und was nicht

13. September 2026 · Redaktion

Laptop mit Bauplänen auf einer Werkbank in einer Werkstatt

94 Prozent der Handwerksbetriebe haben eine Website. Nur 31 Prozent gewinnen über digitale Maßnahmen tatsächlich neue Kunden. Die Lücke dazwischen liegt selten am Design und fast immer daran, dass die Seite die drei Fragen nicht beantwortet, wegen derer jemand sie geöffnet hat: Machen die das? Sind die hier in der Nähe? Wie erreiche ich die?

Diese Zahlen stammen aus der Bitkom-Studie zur Digitalisierung des Handwerks, für die 2025 gut 500 Betriebe befragt wurden. Sie beschreiben ein Problem, das sich mit Geld schlecht und mit einer Stunde Arbeit gut lösen lässt.

Fünf Dinge, die eine Handwerker-Website leisten muss

1. Die Telefonnummer steht oben, als Text, klickbar

Nicht im Footer, nicht im Briefkopf-Bild, nicht erst auf der Kontaktseite. Oben, sichtbar ohne Scrollen, und auf dem Handy als Link, der den Anruf startet. Wer mit einem tropfenden Rohr im Keller steht, sucht nicht.

Dass die Nummer als Text dasteht, hat einen zweiten Grund: Suchmaschinen und KI-Antworten lesen Text. Eine Nummer, die nur als Grafik existiert, existiert für sie nicht.

2. Die Leistungen stehen einzeln da, in normalen Worten

„Wir bieten Ihnen das gesamte Spektrum moderner Gebäudetechnik“ sagt nichts. „Heizung warten, Heizung austauschen, Bad sanieren, Rohrbruch, Notdienst“ sagt alles – und genau so sucht auch jemand danach.

Jede Leistung eine eigene Zeile oder ein eigener Abschnitt. Was Sie nicht machen, darf auch dastehen: „Keine Neubauinstallationen“ spart Ihnen und den Anrufern Zeit.

3. Der Ort und das Einzugsgebiet sind benannt

Kaum eine Suche nach Handwerk kommt ohne Ort aus. Wenn auf Ihrer Seite nirgends steht, wo Sie sitzen und wie weit Sie fahren, fehlt die halbe Antwort. Die Nachbarorte ruhig beim Namen nennen – das ist keine Suchmaschinentrickserei, sondern eine Information, die Kunden brauchen.

4. Sie lädt schnell und funktioniert am Telefon

Der überwiegende Teil der Besucher kommt vom Handy. Eine Startseite mit einem bildschirmfüllenden Video oder einem Bilderkarussell aus zwanzig unkomprimierten Fotos ist auf dem Handy im Funkloch unbenutzbar – und genau dort steht Ihr Kunde.

Prüfen Sie es selbst: eigene Seite am Handy aufrufen, mobile Daten statt WLAN. Wenn Sie bis drei zählen können, bevor etwas zu sehen ist, ist es zu langsam.

5. Ein paar echte Bilder von eigener Arbeit

Nicht Stockfotos von lächelnden Models mit Zollstock. Fünf bis zehn Fotos abgeschlossener Arbeiten schlagen jede Bildagentur, und Sie haben sie bereits auf dem Telefon. Ein Vorher-Nachher-Paar ist mehr wert als drei Absätze über Qualitätsanspruch.

Was Sie nicht brauchen

  • Einen Blog, den niemand pflegt. Drei Beiträge aus 2019 sehen schlechter aus als gar keiner.
  • Ein Bilderkarussell auf der Startseite. Es kostet Ladezeit und wird nachweislich kaum zu Ende angeschaut.
  • Animationen und Effekte beim Scrollen. Sie verzögern genau das, was der Besucher sucht.
  • Einen Chatbot. Bei einem Betrieb mit vier Mitarbeitern beantwortet das Telefon dieselbe Frage schneller.
  • Eine Seite „Über uns“ mit Firmenphilosophie. Ein Satz, wer Sie sind und seit wann, reicht vollkommen.

Das klingt nach wenig – und genau das ist der Punkt. Eine gute Handwerker-Website ist eine kurze Website, die sofort antwortet.

Das Pflichtprogramm

Zwei Dinge sind keine Geschmacksfrage. Jede geschäftlich genutzte Website braucht ein Impressum – die Pflicht steht seit 2024 in § 5 des Digitale-Dienste-Gesetzes (DDG), das an die Stelle des Telemediengesetzes getreten ist. Wenn Ihr Impressum noch „Angaben gemäß § 5 TMG“ überschrieben ist, ist das kein Beinbruch, aber ein Hinweis darauf, dass die Seite länger nicht angefasst wurde.

Dazu kommt eine Datenschutzerklärung, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden – und das tut praktisch jede Website, spätestens über ein Kontaktformular. Beides muss von jeder Unterseite aus mit zwei Klicks erreichbar sein. Abmahnungen wegen fehlendem oder unvollständigem Impressum sind ein eigener kleiner Wirtschaftszweig.

Was das kosten darf

Eine Seite, die das oben Beschriebene kann, ist keine Großbaustelle. Realistisch sind drei Wege:

  • Selbst bauen mit einem Baukasten: 10 bis 25 Euro im Monat, ein Wochenende Arbeit. Für einen Betrieb mit klarem Leistungsangebot völlig ausreichend.
  • Regionale Agentur oder Freiberufler: je nach Umfang meist im niedrigen vierstelligen Bereich einmalig, dazu Hosting. Achten Sie darauf, dass Sie Texte und Bilder danach selbst ändern können.
  • Paketangebote mit monatlicher Rate und Mindestlaufzeit: hier genau hinschauen. Wem die Seite am Ende gehört und was bei einer Kündigung passiert, gehört in den Vertrag – nicht ins Verkaufsgespräch.

Und bevor Sie Geld in die Website stecken: Das Google-Unternehmensprofil kostet nichts und bringt bei lokalen Suchen mehr. Die Reihenfolge ist Profil, dann Einträge, dann Website-Feinschliff – nicht umgekehrt.

Häufige Fragen

Brauche ich überhaupt eine Website?

Wenn Sie ausgelastet sind und über Empfehlungen leben: nicht zwingend. Aber inzwischen prüfen auch Empfohlene ihren Handwerker kurz im Netz, und eine Seite mit Leistungen und Kontakt ist die einfachste Art, diese Prüfung zu bestehen. Ohne Website übernimmt das Google-Profil diese Rolle – dann muss es umso vollständiger sein.

Was ist wichtiger: Website oder Verzeichniseinträge?

Für Kunden, die Ihren Namen kennen, die Website. Für Kunden, die eine Leistung suchen, die Einträge. Beide Wege führen zu Ihnen, und sie ersetzen einander nicht. Mehr dazu im Beitrag Eingetragen ist nicht gefunden.

Sollte ich Preise auf die Website schreiben?

Eine Spanne oder einen Stundensatz zu nennen kostet ein paar Anfragen und spart viele aussichtslose. Wer keine Zahlen nennen will, kann wenigstens erklären, wie sich der Preis zusammensetzt – das schafft Vertrauen und sortiert trotzdem vor.

Wie oft muss ich die Seite aktualisieren?

Inhaltlich selten – Leistungen und Kontakt ändern sich nicht ständig. Technisch regelmäßig: Sicherheitsaktualisierungen des Systems sind Pflicht, sonst wird aus der Firmenseite irgendwann unbemerkt eine Spamschleuder. Wer das nicht selbst macht, sollte es im Hosting-Vertrag geregelt haben.

Lohnt sich Werbung bei Google?

Erst, wenn die Grundlagen stehen. Bezahlte Anzeigen auf eine Seite zu schicken, die die drei Kernfragen nicht beantwortet, verbrennt Geld. Laut Bitkom schalten 37 Prozent der Betriebe Online-Werbung – aber nur 31 Prozent gewinnen überhaupt Kunden digital. Das legt nahe, dass ein Teil des Budgets an der falschen Stelle liegt.

Quellen

Kategorien: Für Betriebe

Weitere Beiträge