Handwerksdichte im Vergleich: wo die meisten Betriebe sitzen
8. November 2026 · Redaktion

Wie viele Handwerksbetriebe gibt es in der Nähe – und wo ist die Luft dünn? Wir haben unseren Datenbestand ausgewertet: 19.349 Betriebe aus zwölf Bau- und Ausbaugewerken in 1.667 Städten. Pro 100.000 Einwohner liegt Thüringen mit 42,7 Betrieben vorn, knapp vor Baden-Württemberg (41,9) und Schleswig-Holstein (41,7). Am dünnsten ist das Netz in Hamburg (10,1) und Berlin (11,6) – ein Befund, der weniger über das Handwerk als über die Städte selbst aussagt.
Die Rangliste
| Bundesland | Betriebe | Je 100.000 Einwohner |
|---|---|---|
| Thüringen | 518 | 42,7 |
| Baden-Württemberg | 3.323 | 41,9 |
| Schleswig-Holstein | 726 | 41,7 |
| Rheinland-Pfalz | 724 | 39,8 |
| Sachsen | 1.083 | 38,8 |
| Bayern | 2.868 | 37,8 |
| Niedersachsen | 2.147 | 34,5 |
| Saarland | 293 | 33,5 |
| Hessen | 1.563 | 30,7 |
| Sachsen-Anhalt | 464 | 29,3 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 218 | 28,7 |
| Nordrhein-Westfalen | 4.248 | 24,0 |
| Brandenburg | 419 | 23,4 |
| Bremen | 125 | 18,1 |
| Berlin | 437 | 11,6 |
| Hamburg | 193 | 10,1 |
In absoluten Zahlen führt Nordrhein-Westfalen mit 4.248 Betrieben – kein Wunder bei 17,7 Millionen erfassten Einwohnern und 344 Städten. Pro Kopf fällt das Land dagegen auf Platz 12.
Welche Gewerke wie häufig sind
| Gewerk | Betriebe |
|---|---|
| Sanitär, Heizung, Klima | 4.313 |
| Metallbau | 2.734 |
| Elektro | 2.514 |
| Schreiner und Tischler | 2.434 |
| Maler und Lackierer | 1.944 |
| Garten- und Landschaftsbau | 1.646 |
| Dachdecker | 1.240 |
| Maurer und Betonbauer | 825 |
| Glaser | 641 |
| Fliesenleger | 597 |
| Gerüstbau | 245 |
| Bodenleger | 216 |
Die Reihenfolge erklärt, warum manche Termine leichter zu bekommen sind als andere. Auf einen Gerüstbauer kommen bundesweit siebzehn Sanitärbetriebe – wer eine Fassade sanieren will, muss das Gerüst zuerst planen, nicht zuletzt. Was dabei an Kosten anfällt, steht in Was kostet ein Gerüst?.
Was die Zahlen bedeuten – und was nicht
Zur Einordnung: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks zählte Ende 2025 1.038.126 Handwerksbetriebe in Deutschland, über alle Anlagen der Handwerksordnung hinweg. Unsere 19.349 sind also kein Abbild der Handwerksrolle, sondern ein Ausschnitt: Betriebe aus zwölf Bau- und Ausbaugewerken, die in unseren Quellen mit einer Adresse in einer der erfassten Städte auffindbar sind. Drei Verzerrungen gehören dazu:
- Stadt statt Land. Erfasst sind 1.667 Städte mit 63,5 Millionen Einwohnern. Betriebe in kleinen Gemeinden fehlen – in Flächenländern wie Bayern und Niedersachsen stärker als in Nordrhein-Westfalen.
- Sichtbarkeit statt Existenz. Wer keine Adresse veröffentlicht, erscheint nicht. Das trifft Einmannbetriebe häufiger als Firmen mit Werkstatt und Schild.
- Gewerkgrenzen. Ein Betrieb mit mehreren Eintragungen in der Handwerksrolle steht bei uns in einer Branche – der, unter der er sich selbst präsentiert.
Für den Vergleich zwischen Bundesländern ist das weniger problematisch, als es klingt: Betriebe und Einwohner stammen jeweils aus derselben Teilmenge, nämlich den erfassten Städten. Wo sich Stadtstaaten mit Flächenländern messen, bleibt die Aussage aber eine andere – darauf kommen wir gleich.
Warum Hamburg und Berlin hinten liegen
Dass gerade die Großstädte die niedrigste Dichte zeigen, hat strukturelle Gründe:
- Flächen- und Mietkosten. Werkstatt, Lager und Fahrzeugstellplätze sind in der Innenstadt teuer. Viele Betriebe sitzen im Umland und arbeiten in der Stadt – gezählt werden sie am Standort.
- Betriebsgrößen. In Metropolen arbeiten mehr Beschäftigte in größeren Einheiten. Weniger Betriebe bedeuten nicht automatisch weniger Handwerkerstunden.
- Stadtstaaten haben kein Umland. Bei Berlin und Hamburg fällt die Pendlerstruktur komplett aus der Statistik, bei München oder Köln verteilt sie sich auf das jeweilige Bundesland.
Praktisch heißt das für Auftraggeber in Großstädten: Der Suchradius sollte über die Stadtgrenze hinausgehen. Für Betriebe im Umland heißt es: Die Stadt ist ein Markt, in dem rechnerisch weniger Anbieter auf viele Haushalte kommen.
Was Auftraggeber daraus machen
- Früh anfragen. In Gewerken mit wenigen Betrieben – Gerüstbau, Bodenleger, Glaser – sind Vorlaufzeiten von Wochen normal.
- Mehrere Gewerke bündeln. Dach, Fassade und Fenster in einem Zeitfenster sparen Rüstkosten; mehr dazu bei den Gerüstkosten.
- Angebote vergleichen, aber vollständig. Drei Angebote bei identischem Leistungsumfang sagen mehr als fünf verschiedene Beschreibungen desselben Problems.
- Regional denken. Wer in einer dünn besetzten Region sucht, erweitert den Radius, statt zu warten.
Und für Betriebe: Dichte ist auch Wettbewerb. In Baden-Württemberg und Thüringen entscheidet Sichtbarkeit stärker als in Hamburg – ein Eintrag mit Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten und Leistungen ist der billigste Teil davon. Wie du dabei kalkulierst, steht in Stundensatz berechnen.
Häufige Fragen
Welches Bundesland hat die höchste Handwerksdichte?
In unserer Auswertung Thüringen mit 42,7 Betrieben je 100.000 Einwohner, gefolgt von Baden-Württemberg mit 41,9 und Schleswig-Holstein mit 41,7. Gezählt wurden zwölf Bau- und Ausbaugewerke in den erfassten Städten.
Wie viele Handwerksbetriebe gibt es in Deutschland?
Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks 1.038.126 Betriebe zum 31. Dezember 2025 über alle Anlagen der Handwerksordnung. Unsere Auswertung umfasst 19.349 Betriebe aus zwölf Gewerken in 1.667 Städten.
Welches Gewerk ist am häufigsten vertreten?
Sanitär, Heizung und Klima mit 4.313 Betrieben, danach Metallbau mit 2.734 und Elektro mit 2.514. Am seltensten sind Bodenleger mit 216 und Gerüstbau mit 245 Betrieben.
Warum liegen Hamburg und Berlin am Ende der Liste?
Weil Betriebe am Firmensitz gezählt werden und in Stadtstaaten das Umland fehlt. Dazu kommen hohe Flächenkosten und größere Betriebseinheiten. Weniger Betriebe bedeuten nicht zwangsläufig weniger verfügbare Handwerkerstunden.
Wie aktuell sind die Daten?
Die Auswertung stammt aus dem Datenbestand von wo-wer-was.de mit Stand Oktober 2026. Der Bestand wird laufend ergänzt; neue Einträge und Korrekturen verschieben die Zahlen im Lauf der Zeit.
Sagt eine hohe Dichte etwas über die Preise?
Nur bedingt. Dichte beeinflusst Verfügbarkeit und Wettbewerb, die Preise werden aber von Lohn-, Material- und Energiekosten bestimmt. In Regionen mit wenigen Anbietern sind vor allem die Wartezeiten länger.
Quellen
- ZDH: Handwerk im Zeitverlauf – Betriebszahlen
- ZDH: Wirtschaftlicher Stellenwert des Handwerks
- Eigene Auswertung des Branchenbuchs von wo-wer-was.de, Stand Oktober 2026
Kategorien: Standort Deutschland
