Handwerker finden: so vergleichen Sie Angebote richtig
Holen Sie mindestens drei Angebote ein und beschreiben Sie allen Betrieben dieselbe Aufgabe, sonst vergleichen Sie unterschiedliche Leistungen. Achten Sie auf Anfahrt, Stundensatz und Material getrennt ausgewiesen. Entscheiden Sie nicht allein über den Endpreis, sondern über Umfang, Termin und Erreichbarkeit.
Stand: 09/2026. Redaktionell erstellt, nicht gesponsert.
Was Sie vor der ersten Anfrage klären sollten
Bevor Sie Betriebe anschreiben, lohnt sich eine halbe Stunde Vorarbeit. Notieren Sie, was genau gemacht werden soll, in welchen Räumen, auf welcher Fläche und bis wann. Je klarer der Auftrag beschrieben ist, desto vergleichbarer fallen die Angebote aus. Unklare Anfragen führen zu Preisspannen, die nichts über die Qualität der Betriebe aussagen, sondern nur über ein unterschiedliches Verständnis der Aufgabe.
Trennen Sie dabei zwischen dem, was zwingend nötig ist, und dem, was Sie sich zusätzlich wünschen. Ein tropfender Anschluss muss repariert werden, ein neues Waschbecken ist eine Entscheidung. Wenn beides im selben Angebot steckt, ohne getrennt ausgewiesen zu sein, können Sie später nicht mehr erkennen, welcher Teil den Preis treibt.
Klären Sie außerdem früh, ob Sie überhaupt allein entscheiden dürfen. In einer Mietwohnung gehören viele Arbeiten an Leitungen, Fenstern und Heizung zur Sache des Vermieters. In einer Eigentumswohnung entscheidet bei allem, was zum Gemeinschaftseigentum zählt, die Eigentümergemeinschaft mit. Ein Anruf vorher erspart Ihnen den Streit hinterher.
Wie Sie passende Betriebe in Ihrer Stadt finden
Suchen Sie zuerst im engeren Umkreis. Kurze Wege senken die Anfahrtskosten, und ein Betrieb aus dem Ort kommt für eine Nachbesserung eher noch einmal vorbei als einer aus der Nachbarregion. Ein Branchenbuch nach Stadt und Gewerk ist dafür der schnellste Einstieg, weil Sie dort Adresse, Telefonnummer und Leistungsschwerpunkt nebeneinander sehen.
Prüfen Sie, ob der Betrieb wirklich das Gewerk anbietet, um das es Ihnen geht. Viele Firmenbezeichnungen sind weit gefasst. Ein Betrieb, der Bad und Heizung nennt, macht nicht automatisch auch Fliesenarbeiten. Fragen Sie im Zweifel nach, ob die Leistung im eigenen Haus erbracht oder an einen anderen Betrieb weitergegeben wird.
Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis sind wertvoll, ersetzen den Vergleich aber nicht. Wer vor drei Jahren zufrieden war, kann heute an einen Betrieb geraten sein, der gewachsen ist und anders arbeitet. Nehmen Sie die Empfehlung als eine von mehreren Anfragen mit auf und behandeln Sie sie gleich wie die übrigen.
Die Anfrage: so beschreiben Sie den Auftrag
Schreiben Sie eine Anfrage und schicken Sie den gleichen Text an alle Betriebe. Nennen Sie Art der Arbeit, Maße oder Stückzahlen, das Baujahr des Hauses, die Etage und ob ein Aufzug vorhanden ist. Fotos helfen enorm, besonders bei Altbauten, Schäden und schwer zugänglichen Stellen. Ein Bild spart oft einen kompletten Ortstermin.
Sagen Sie klar, bis wann die Arbeit fertig sein soll und ob es einen festen Grund dafür gibt, etwa einen Auszugstermin. Betriebe planen in Wochen, nicht in Tagen. Wer ehrlich sagt, dass er flexibel ist, bekommt oft einen günstigeren Termin in einer Lücke zwischen zwei größeren Baustellen.
Bitten Sie ausdrücklich um ein schriftliches Angebot mit getrennten Positionen für Arbeitszeit, Material und Anfahrt. Diese Trennung brauchen Sie später zweimal: beim Vergleich der Angebote und bei der Steuererklärung, weil nur der Lohnanteil abzugsfähig ist.
Angebote vergleichen, ohne nur auf den Preis zu schauen
Legen Sie die Angebote nebeneinander und prüfen Sie zuerst den Leistungsumfang, nicht die Summe. Sehr oft ist das günstigste Angebot schlicht das dünnste: Untergrundvorbereitung fehlt, Entsorgung fehlt, Kleinmaterial fehlt. Diese Positionen tauchen später auf der Rechnung trotzdem auf, dann aber ohne dass Sie sie vorher verglichen hätten.
Achten Sie auf die Art der Preisbindung. Ein Festpreis nennt eine Summe für ein klar beschriebenes Werk. Ein Kostenvoranschlag ist eine fachmännische Schätzung und ohne ausdrückliche Vereinbarung grundsätzlich unverbindlich, darf nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch aber nur unwesentlich überschritten werden. Eine Abrechnung nach Aufwand kennt vorab gar keine Obergrenze.
Sehen Sie sich auch die weichen Punkte an. Wie schnell kam die Antwort, wie genau wurde nachgefragt, wie verständlich ist das Angebot geschrieben. Ein Betrieb, der bei der Anfrage gründlich ist, arbeitet meist auch auf der Baustelle sauber. Ein Angebot mit einer einzigen Zeile und einer runden Summe ist dagegen ein Warnzeichen.
Termin, Ablauf und Zahlung vereinbaren
Halten Sie den vereinbarten Umfang schriftlich fest, auch wenn es nur eine kurze Bestätigungsmail ist. Zwei Sätze genügen: welche Leistung, welcher Preis, welcher Zeitraum. Damit haben beide Seiten dieselbe Grundlage, falls später etwas anders läuft als gedacht.
Bei größeren Aufträgen sind Abschlagszahlungen üblich und legitim, weil der Betrieb Material vorfinanziert. Zahlen Sie Abschläge aber nur für Leistungen, die tatsächlich schon erbracht sind, und behalten Sie einen Rest bis zur Abnahme ein. Überweisen Sie grundsätzlich und lassen Sie sich für jede Zahlung eine ordentliche Rechnung geben.
Sprechen Sie vorher über die Dinge, die auf jeder Baustelle stören: Wo darf der Transporter halten, wo wird Material gelagert, wer räumt auf, wohin kommt der Bauschutt. Diese Punkte kosten Zeit und damit Geld. Wenn sie geklärt sind, rechnet niemand hinterher Stunden ab, mit denen Sie nicht gerechnet haben.
Was nach der Arbeit wichtig bleibt
Gehen Sie die fertige Arbeit gemeinsam mit dem Betrieb durch. Diese Abnahme ist ein rechtlich wichtiger Moment, weil mit ihr die Vergütung fällig wird und die Frist für Mängelansprüche beginnt. Notieren Sie alles, was Ihnen auffällt, auch Kleinigkeiten, und lassen Sie es auf dem Abnahmeprotokoll vermerken.
Für Mängel haftet der Betrieb auch nach der Abnahme. Bei Arbeiten an einem Bauwerk verjähren Mängelansprüche nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch in fünf Jahren. Zeigt sich ein Mangel, fordern Sie zuerst schriftlich zur Nachbesserung auf und setzen Sie eine angemessene Frist. Erst danach kommen weitere Rechte in Betracht.
Bewahren Sie Angebot, Rechnung und Zahlungsbeleg zusammen auf. Sie brauchen die Unterlagen für die Steuererklärung, für einen späteren Verkauf der Immobilie und für jeden Fall, in dem Sie nachweisen müssen, wer wann was gemacht hat. Eine kurze Bewertung im Anschluss hilft außerdem allen, die nach Ihnen suchen.
Kleine Aufträge, Wartezeiten und Notfälle
Kleine Aufträge sind für Betriebe unattraktiv, weil Anfahrt und Rüstzeit kaum vom Auftragswert gedeckt werden. Sie kommen trotzdem an einen Termin, wenn Sie mehrere Kleinigkeiten bündeln und offen sagen, dass Sie zeitlich flexibel sind. Viele Betriebe legen solche Aufträge dann in eine Lücke oder an das Ende eines Arbeitstages in Ihrer Nähe.
Rechnen Sie bei gefragten Gewerken mit Wartezeiten von mehreren Wochen. Das ist kein schlechtes Zeichen, im Gegenteil: Ein Betrieb, der sofort und unbegrenzt Zeit hat, ist entweder neu oder nicht ausgelastet. Fragen Sie nach einem verbindlichen Termin statt nach einem schnellen und lassen Sie sich auf eine Warteliste setzen.
Bei echten Notfällen gelten andere Regeln. Wasser, das aus einer Decke läuft, oder ein Stromausfall im ganzen Haus lassen sich nicht aufschieben. Sichern Sie zuerst die Lage, indem Sie Haupthahn oder Sicherung abschalten, und informieren Sie bei Mietwohnungen sofort die Hausverwaltung. Erst danach suchen Sie den Betrieb, und auch dann lassen Sie sich den Preisrahmen vorher nennen.
Checkliste
- Auftrag schriftlich beschreiben, mit Maßen und Fotos
- Dieselbe Anfrage an mindestens drei Betriebe schicken
- Angebot mit getrennten Posten für Lohn, Material und Anfahrt verlangen
- Klären, ob Festpreis, Kostenvoranschlag oder Abrechnung nach Aufwand gilt
- Termin und Leistungsumfang schriftlich bestätigen lassen
- Nach der Arbeit gemeinsam abnehmen und Unterlagen aufbewahren
Häufige Fragen
Wie viele Angebote sollte ich einholen?
Drei Angebote sind ein guter Richtwert. Bei zwei fehlt der Vergleichsmaßstab, bei mehr als vier steigt der Aufwand für Sie und für die Betriebe, ohne dass der Erkenntnisgewinn noch wächst. Wichtiger als die Zahl ist, dass alle Betriebe dieselbe Aufgabe beschrieben bekommen.
Darf ein Betrieb für das Angebot Geld verlangen?
Ein einfaches Angebot ist in der Regel kostenlos. Verlangt der Betrieb Geld für die Erstellung eines ausführlichen Kostenvoranschlags oder für einen Ortstermin mit Aufmaß, muss er Sie vorher darauf hinweisen. Fragen Sie bei der Anfrage nach, dann gibt es hinterher keine Überraschung.
Was tue ich, wenn kein Betrieb antwortet?
Rufen Sie an, statt nur zu schreiben. Viele kleine Betriebe lesen Mails erst abends. Erweitern Sie außerdem den Suchradius auf die Nachbarorte und fragen Sie nach einem Termin in einigen Wochen statt sofort. Bei kleinen Aufträgen hilft es, mehrere Arbeiten zu bündeln.
Muss der Betrieb einen Meister haben?
Das hängt vom Gewerk ab. Einige Handwerke sind zulassungspflichtig und dürfen nur mit Meister oder gleichwertiger Qualifikation selbstständig ausgeübt werden, andere sind zulassungsfrei. Ob ein Betrieb eingetragen ist, können Sie bei der zuständigen Handwerkskammer erfragen.
Wie erkenne ich, ob ein Angebot vollständig ist?
Ein vollständiges Angebot benennt jede Teilleistung einzeln, nennt Mengen und Einheiten und sagt, was ausdrücklich nicht enthalten ist. Typische Lücken sind Entsorgung, Gerüst, Untergrundvorbereitung und Kleinmaterial. Fragen Sie gezielt nach diesen Punkten, wenn sie nicht auftauchen.
Lohnt sich ein Ortstermin vor dem Angebot?
Bei allem, was über eine kleine Reparatur hinausgeht, ja. Erst vor Ort sieht der Betrieb den Zustand des Untergrunds, die Zugänglichkeit und die Altbausubstanz. Angebote nach Ortstermin sind deutlich belastbarer als solche, die allein auf Ihrer Beschreibung beruhen.
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